Mit einem besonderen Highlight startete unsere Projektwoche „Summende Vielfalt“. Zu Besuch war der Hobbyimker Wolfgang Steindl, der den Kindern auf anschauliche und lebendige Weise die faszinierende Welt der Bienen näherbrachte.
Dabei berichtete er nicht nur über die Lebensweise der Bienen, sondern erklärte auch die vielfältigen Aufgaben eines Imkers sowie die große Bedeutung der Biene für Mensch und Natur.
Ein echtes Erlebnis war der mitgebrachte Schaukasten: So konnten die Kinder ein Bienenvolk aus nächster Nähe beobachten und spannende Einblicke in das emsige Treiben im Inneren gewinnen. Mit großem Interesse verfolgten sie die Ausführungen und stellten viele neugierige Fragen.
In den Klassen wurde diese eindrucksvolle Vorführung anschließend aufgegriffen und thematisch weitergeführt. Den süßen Abschluss des Tages bildete für alle ein leckeres Honigbrot – passend zum Thema und ein Genuss für Groß und Klein.
Ein gelungener Auftakt für unsere Projektwoche!
Der Dienstag stand unter dem Motto: „Kleine Brummer – Leben der Wild- und Honigbiene“
Frau Hölzl aus dem Freilandmuseum Oberpfalz war zu Gast. Nach einer herzlichen Begrüßung stellte sie das Museum vor und gab einen lebendigen Einblick in seine tierischen Bewohner – von alten Haustierrassen bis hin zu den vielen kleinen Insekten, die rund um die historischen Häuser leben. Schnell wurde klar: Auch die Bienen gehören zu diesem lebendigen Museumsalltag und sind für Natur und Menschen von großer Bedeutung.
Anschließend erklärte Frau Hölzl den Aufbau eines Bienenstocks: Vom geordneten Wabenbau über die Aufgaben der Königin, Arbeiterinnen und Drohnen bis hin zur Vorratshaltung mit Pollen und Nektar. Die Kinder staunten, wie gut organisiert ein Bienenvolk zusammenarbeitet und wie jeder „Beruf“ im Stock zum gemeinsamen Überleben beiträgt.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Unterscheidung zwischen Wildbienen und Honigbienen. Während Honigbienen in einem großen Staat zusammenleben und gemeinsam Nachwuchs aufziehen, sind Wildbienen meist Einzelgänger: Jede Wildbienenmutter sorgt allein für ihre Nachkommen. Auch beim „Wohnort“ gibt es Unterschiede: Honigbienen bewohnen künstliche Beuten (Bienenkästen) oder Stöcke, Wildbienen hingegen finden ihre Nistplätze in Hohlräumen, alten Pflanzenstängeln, Käfergängen im Totholz oder sogar im Boden.
Zum Abschluss wurde es praktisch: Die Kinder bastelten in ihren Klassen ihr eigenes Bienenhotel. Mit verschiedenen Naturmaterialien entstanden Nistmöglichkeiten für heimische Wildbienen, die später auf dem Schulgelände oder zu Hause einen Platz finden. So wurde das neu erworbene Wissen direkt in eine konkrete Naturschutzmaßnahme umgesetzt – und die Vorfreude ist groß, bald die ersten „kleinen Brummer“ beim Einzug zu beobachten.
Der dritte Tag der Projektwoche begann stimmungsvoll: Herr Nagl eröffnete mit der Gitarre, und gemeinsam wurde das Lied „Biene Maja“ gesungen. Sofort entstand eine fröhliche, aufmerksame Atmosphäre, in der die Kinder neugierig wurden und Bilder von blühenden Wiesen und summenden Bienen vor Augen hatten.
Daran knüpfte eine aktivierende Fragerunde an: „Herr Nagl, wussten Sie schon, dass…?“ Die Kinder brachten ihr Vorwissen ein – vom Bienentanz über die Aufgabe der Königin bis hin zu den sogenannten Pollenhöschen. Herr Nagl griff die Aussagen auf, bestätigte sie oder ergänzte sie fachlich.
Ein Höhepunkt war der Bienenschaukasten: Fasziniert beobachteten die Kinder das Treiben der Arbeiterinnen sowie – anschaulich erklärt – die Rolle der Königin. Herr Nagl erläuterte den Aufbau der sechseckigen Waben, die Arbeitsteilung im Bienenvolk sowie die Kommunikation über Duftstoffe und den Schwänzeltanz.
Anschließend erklärte er das Schwärmen: Wird es im Stock zu eng und steht ausreichend Nahrung zur Verfügung, teilt sich das Volk. Die alte Königin verlässt mit einem Teil der Bienen den Stock, Spurbienen suchen einen neuen Standort, und der Schwarm sammelt sich vorübergehend als „Traube“.
Zum Abschluss wurde zusammengetragen, was Bienen alles produzieren: Honig als von den Bienen „gereifte“ Süße aus Nektar, Wachs als Baumaterial, Propolis als schützender „Bienenkitt“ und Gelee Royale als besondere Nahrung für die Königin. Besonders hervorgehoben wurde die enorme Bedeutung der Bestäubungsleistung der Bienen, denn ohne sie gäbe es viele Früchte, Samen und einen großen Teil der Artenvielfalt nicht.
Am vierten Tag nahm Fairtrade-Referentin Marina Malter die Kinder mit auf eine Weltreise des Honigs. Zu Beginn betrachteten die Kinder eine große Landkarte, auf der die Kontinente farbig markiert waren. Sie ordneten die Länder Mexiko, Kamerun und Laos zu und legten die passenden Flaggen an die richtige Stelle, sodass ein erstes Bild entstand, wo auf der Welt Bienen gehalten und Honig geerntet werden.
Anschließend reisten sie gedanklich nacheinander nach Mexiko, Kamerun und Laos: Frau Malter erläuterte, wie die Imkerinnen und Imker dort arbeiten – oft mit einfacheren Mitteln, anderen Bienenrassen und in sehr unterschiedlichen Klimazonen und Landschaften. Dabei wurde deutlich, dass Honig weltweit unter verschiedensten Bedingungen entsteht und dass der Alltag von Imkerinnen und Imkern stark vom Wetter, vom Blütenangebot und von regionalen Traditionen geprägt ist.
In einer Gesprächsrunde sammelten die Kinder Gründe, warum Honig aus anderen Ländern importiert werden muss: Die heimische Ernte reicht nicht immer, weil die Nachfrage hoch ist – im Durchschnitt isst jede Person hier etwa 2 Kilogramm Honig pro Jahr –, außerdem schwanken die Erträge je nach Blüte, Wetter und Gesundheit der Völker. Manche Honigsorten gibt es lokal kaum oder nur zeitweise, weil die typischen Trachtpflanzen in anderen Regionen wachsen. Ein kurzer Film über eine Familie aus Mexiko zeigte anschaulich die Honigernte vor Ort: vom Umgang mit den Bienen über das Abnehmen der Waben bis zum Schleudern und Abfüllen. Die Kinder konnten so den handwerklichen Ablauf und den starken Naturbezug der Arbeit vor Ort nachvollziehen.
Zugleich thematisierte Frau Malter, dass die Honigbiene in manchen Ländern nicht dieselbe Wertschätzung und denselben Schutz erfährt wie in Deutschland – etwa aufgrund geringerer Förderungen, unterschiedlicher Regularien oder geringerer gesellschaftlicher Aufmerksamkeit – und erläuterte, warum Schutzmaßnahmen, Blühflächen und Sensibilisierung wichtig sind.
Zum Abschluss probierten die Kinder vier Honigsorten aus verschiedenen Ländern, verglichen Farbe, Duft und Konsistenz und beschrieben die unterschiedlichen Aromen. Als besonderes Highlight erwies sich der Eukalyptushonig: Sein markanter Duft und die würzige Note führten bei vielen Kindern zu überraschten Reaktionen und zu Favoritenstimmen.
Der Tag endete mit der Erkenntnis, dass Honig ein weltweites Produkt ist, das von Landschaft, Pflanzen und Menschen geprägt wird, und dass Wertschätzung für Bienen und Imkerei weltweit entscheidend bleibt.
Im Rahmen der Projektwoche setzte die Schulsozialarbeiterin Keiko Schauer gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Klassen ein besonderes Zeichen für den Naturschutz. Mit viel Engagement und Kreativität entstanden kleine Insektenhotels, die den Kindern nicht nur handwerkliche Fähigkeiten vermittelten, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Insekten stärkten.
Die selbstgebauten Mini-Insektenhotels wurden anschließend im Schulgarten aufgehängt und bieten nun zahlreichen Nützlingen einen geschützten Lebensraum. So leistet die Schulgemeinschaft einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt direkt vor der eigenen Haustür.
Ein herzliches Dankeschön an die Stadt Neumarkt für die wertvolle Unterstützung und Finanzierung, ohne die diese Vielfalt an Lern- und Praxisangeboten nicht möglich gewesen wäre.